Minimalismus (Teil 1) – Kampf gegen den Kleiderschrank

Einer meiner Lieblingspodcasts ist der von Rich Roll. Er ist ein veganer Ultraathlet aus den USA, der in langen Unterhaltungen unheimlich viel Wissen aus seinen Gästen aller möglicher Fachgebiete zieht. Irgendwann im Herbst hörte ich mir die Episode an, in der er The Minimalists eingeladen hatte. Das sind zwei Typen aus USA, die von Stadt zu Stadt fahren und über Minimalismus reden und Bücher über eben jenes Thema schreiben.

Dann las ich im Dezember das Buch Magic Cleaning – wie richtiges Aufräumen Ihr Leben verändert von Marie Kondo. Das Buch ist super gut geschrieben und man fühlt sich beim Lesen immer wieder selbst ertappt.

Der Grundsatz beider Leute: Umgib dich von Dingen, die du wirklich gern hast, und entferne alles andere.

The Minimalists sagen immer so schön: „Love people, use things. Because the other way around never works.“

Sowohl der Podcast als auch das Buch kamen zum richtigen Zeitpunkt in mein Leben. Ich war eh schon gestresst von meinem Job, meinen Beziehungen, irgendwie allem, und oben drauf hauste ich in einem Zimmer, das voll war mit Dingen, die mir nichts bedeuteten und die mir zum Teil nicht man gefielen.

Also fing ich an, auszumisten. Marie Kondo sagt, man soll das nicht nach und nach machen, sondern lieber in einem Rutsch und radikal. Finde ich gut. Sonst findet man nur wieder Ausreden, irgendwas nicht wegzuschmeißen, was weggeschmissen gehört, oder verschiebt die Entscheidung, ob man etwas behalten oder weggeben möchte, insbesondere bei sentimental behafteten Dingen immer wieder in die Zukunft.

Der einzige Grund, warum man eine Sache, ein Ding in seinem Zimmer hat, sollte sein, weil diese Sache einem ein gutes Gefühl gibt. Ausmisten muss daher so aussehen: Alles von einer Kategorie aus dem Schrank räumen (zum Beispiel die komplette Unterwäsche, oder alle Oberteile), einfach auf einen Haufen schmeißen, sich in aller Ruhe davor setzen und jedes einzelne Teil in die Hände nehmen. Fühlt man sich im Moment, wenn man das Teil in den Händen hält, gut und macht das Teil einen glücklich und bereitet einem Freude, dann sollte man es behalten und auf den Behalten-Haufen legen. Ist dem nicht so, dann weg damit. Und zwar richtig. Ab in einen Sack, der innerhalb des nächsten Tages sofort aus dem Haus geräumt wird, ob in den Müll oder zur Spende. Je länger das Teil in einer Ecke des Hauses steht, desto höher ist die Chance, dass man rückfällig wird, und es sich doch nochmal anders (aber falsch) überlegt. Erst, wenn man mit allen Teilen durch ist, überlegt man sich, wo diese Teile einen Platz finden sollen, und räumt sie behutsam an ihren neuen Platz (der auch der alte sein kann).

Kontra: Ausmisten dauert jetzt noch länger als eh schon, insbesondere, wenn man viele Dinge besitzt.

Pro: Man bekommt Übung darin, Entscheidungen zu fällen, und ein Gespür dafür, was einem Freude bereitet und was nicht. Alle Dinge, die bei mir deswegen einmal im Sack gelandet sind, blieben auch dort. Da gab es keine Zweifel, das Zeug musste weg. Irgendwann lief ich mit Adleraugen durch mein Zimmer und wusste ganz genau, welche Teile alle noch wegkommen müssen, bis nur noch die positiven Sachen übrig sein werden.

Ich begann mit meinem Kleiderschrank. An einem Abend durchforstete ich meinen Schrank, meine Kommode mit der Unterwäsche und den Accessoires und den Sportsachen, und meine Schuhe. Insgesamt gingen zwei 45-Liter Müllsäcke in den Müll, und drei Säcke zur Spende. Ich fand heraus, dass ich sage und schreibe 49 Paar Schuhe besaß (das ist der Haufen auf dem Bild). Jetzt sind es weniger als die Hälfte, aber alle die mir bleiben hab ich gern.

Am schönsten ist jetzt aber mein Kleiderschrank. Notdürftig hatte ich immer einen Teil meiner Garderobe im Sommer oder im Winter in einer Bananenkiste oben auf dem Schrank zwischengelagert, weil gar nicht alles in den Schrank gepasst hatte. Jetzt passt alles rein und es haben sogar auch noch meine Sommerjacken Platz gefunden. Ich habe plötzlich ein komplett leeres Fach in meinem Kleiderschrank. Und die einzige Kiste, die noch oben auf meinem Schrank liegt, enthält Verkleidungsstücke, die tatsächlich nur so selten benützt werden, dass sie ruhig da oben schlummern dürfen.

Wenn ich jetzt morgens an meinen Kleiderschrank trete und mir überlege, was ich gerne anziehen möchte, ist das viel einfacher geworden. Egal was ich aus meinem Schrank herausnehme, ich kann sicher sein, dass ich das Teil wirklich mag. Ich muss mich lediglich fragen, wie warm es heute wohl sein wird und ob ich lieber einen Rock oder eine Hose tragen möchte. Alles andere erledigt sich wie von selbst. Ich besitze keine Pullis mehr, in denen ich mich dick fühle, oder Cardigans, die ich nur trage, weil ich nichts besseres habe. Ich besitze keine Schuhe mehr, die drücken, und keine Schals mehr, deren Farbe mir eigentlich gar nicht so gut gefällt. Ich besitze keine Sporthosen mehr, die rutschen, und keine Socken mit Löchern mehr. Ich besitze keine T-Shirts mehr, die verwaschen sind oder nicht meinem Stil entsprechen. Und ich besitze keine Hose mehr, die mir nicht richtig passt. Egal, was ich aus meinem Schrank nehme, es passt mir, ich fühle mich gut in dem Kleidungsstück, es entspricht meinem Stil und ich bin glücklich, das Teil zu besitzen.

Einige witzige Szenen von meinem Ausmistabend, gibt es in meinem Youtube-Video zum Thema Minimalismus ab Minute 04:36:

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