Minimalismus (Teil 2) – Eigentlich bin ich gar nicht unordentlich

Mein Leben lang dachte ich, ich wäre einfach unordentlich und mein Zimmer sähe deswegen immer aus wie als wäre just vor wenigen Minuten eine Bombe explodiert. Ich dachte, ich nehme das Aufräumen einfach nicht ernst genug. Ich gehe zu schlampig mit meinen Sachen um. Und das System, mit dem ich alles in meine Schubladen zu stopfen versuche, sei das falsche.

Ich dache, ich sollte vielleicht mehr Boxen kaufen, damit es weniger unordentlich aussieht. Ich sollte mehr sortieren. Und mir mehr Mühe dabei geben, alles ordentlich zusammenzulegen.

Dann las ich das Buch Magic Cleaning von Marie Kondo. Und mir wurden die Augen geöffnet.

Hier ist mal eine Liste mit 5 Dingen, die ich gelernt habe und die mir helfen:

1. Wenn du dir überlegen musst, wie du all deine Dinge ins Regal bekommst, dann hast du wahrscheinlich einfach zu viele Dinge.

Dass ich mir immer wieder aufs neue Strategien überlegen musste, um alle meine Kleider in meinen Kleiderschrank zu stopfen, hätte mir eigentlich auch von alleine aufzeigen können, dass das Problem nicht die Größe des Kleiderschrankes ist, sondern die Menge an Kleidern. Kein Mensch braucht 20 Pullover und 70 T-Shirts. Oder 49 Paar Schuhe, wie es in meinem Fall war. Bevor man sich Gedanken über das Aufräumen macht, sollte man daher erstmal eine riesige Ausmist-Aktion machen, und alles, wirklich alles, das einem keine Freude bereitet, entsorgen.

2. Nicht jedes Besitztum von mir hat einen festen Platz.

Das klingt total banal, ich weiß. Aber an einem kleinen Beispiel erkläre ich gerne, warum das es so wichtig ist, dass jedes Dinge, jede Sache in deinem Zimmer eine „Adresse“ hat:

Wenn ich nach der Arbeit nach Hause komme, mit meinem Rucksack auf dem Rücken, in dem sich alle Dinge, die ich unterwegs dabei hatte, befinden, dann lief bisher folgendes ab. Ich stellte den Rucksack neben meinem Schreibtisch auf den Boden, zog meine Schuhe aus und stellte sie irgendwo in mein Schuhregal, wo Platz war oder ansonsten davor auf den Boden (Womit wir wieder beim Thema Ausmisten wären), und ziehe meine Jacke aus und hänge sie an den Haken an meinem Schrank.

Klingt normal? Dachte ich auch immer. Das Problem: Der Rucksack steht jetzt irgendwo im Zimmer rum und wurde nie komplett ausgepackt. Am nächsten Tag nehme ich die Sachen, die ich brauche, raus und lege sie in die Tasche, die ich an dem Tag tragen möchte. Der Rucksack bleibt stehen und in ihm sind weiterhin irgendwelche Dinge, die nicht aufgeräumt wurden. Und so verteilt sich mein Zeug über mehrere Taschen. Die ich alle nicht einfach ins Regal stellen kann, weil überall was drin ist.

Das zugrundeliegende Problem ist aber nicht, dass ich meine Taschen nie komplett leere, sondern dass die Dinge in der Tasche gar nicht alle einen festen Platz haben.

Um Ordnung zu halten, müssen wir uns bei jedem Besitztum die Fragen stellen, wo dieses Teil wohnen darf. Wo ist der feste Platz meines Labellos? Wo ist der feste Platz meiner Taschentücher? Wo ist der feste Platz meiner Taschen und Rucksäcke? Wo ist der feste Platz meines Geldbeutels? Meines Handys? Meines Ladekabels? Der Tupperware, in die ich mein Mittagessen gefüllt hatte?

Gerade so Dinge, die ich eh jeden Tag brauche, wie etwa der Geldbeutel oder das Handy, hatten bei mir nie einen festen Platz. Ich ließ sie einfach im Rucksack, weil ich den am nächsten Tag ja wahrscheinlich eh wieder mitnehmen würde. So kam der Rucksack nie zur Ruhe, durfte nie an seinem Platz schlafen gehen. Außerdem fuhren in jeder Tasche Dinge wie Handtücher, Labellos oder Kondome herum, weil ich die Taschen nie komplett leerte.

Heute läuft meine Routine beim Nachhause Kommen folgendermaßen ab:

Ich ziehe meine Schuhe aus und stelle sie an ihre „Adresse“ in meinem Schuhschrank. Ich nehme mein Handy aus meiner Jackentasche und lege es an seine „Adresse“ in der obersten Schreibtischschublade. Ich stelle meinen Rucksack auf meinen Schreibtischstuhl, ziehe meine Jacke aus (deren Jackentaschen nun komplett leer sind) und hänge diese an den Haken am Kleiderschrank. Ich öffne meinen Rucksack und nehme ALLES heraus und lege alles auf meinen Schreibtisch. Der Rucksack wird verschlossen und ordentlich in das Regal mit meinen Taschen gelegt und darf für heute schlafen gehen. Ich verstaue meinen Laptop im Regal neben meinem Schreibtisch, wo auch mein Tablet wohnt, wenn ich es nicht benutze. Ich lege das Laptopkabel in die Schublade mit all meinen Ladekabeln und sonstigen elektronischen Dingen. Die kleine Tasche mit dem Handyladekabel und den Kopfhörern kommt auch dort rein. Mein Geldbeutel kommt zum Handy in die Schublade neben meinem Schreibtisch. Die Taschentuchpackung kommt zu den Taschentüchern in die Schublade mit den Taschentüchern und Kerzen. Die Tupperware zurück in das richtige Regal in der Küche. Und wenn ich dann zurück in mein Zimmer komme, ist mein Schreibtisch komplett leer, mein Rucksack steht nicht auf dem Boden, meine Schuhe liegen nicht am Boden, und alles ist an seinem Platz.

Ordnung zu halten ist nur dann schwer, wenn nicht alles einen Platz hat.

3. Mehrere Plätze für dieselbe Sache haben macht das Ordnung halten schwerer.

Beispiel Taschentücher: Früher hatte ich Taschentücher in einer Schublade (mein Vorrat), neben dem Schreibtisch, neben dem Bett, in der Badezimmerschublade, und in meinen Taschen.

Das Problem hierbei ist, dass je mehr Plätze eine Sache hat, desto schneller werden noch mehr Plätze gefunden, wo man Dinge derselben Kategorie auch noch hinstellen könnte. Schuhe gehören eigentlich ins Schuhregal, aber dann stehen plötzlich Schuhe an der Türe? Erst ein Paar, dann zwei, dann fünf? Und dann noch ein Paar im Schlafzimmer. Oder plötzlich 2.

Wenn sich alles verteilt, dann fällt es uns umso schwerer, die Dinge zurück an ihren Ort zu legen, weil die „Adresse“ der Sache nicht mehr so klar ist. Deswegen sind nun alle meine Taschentücher in der Vorratsschublade. Wenn ich ein Taschentuch brauche, hole ich eines aus der Packung, und lege die Packung sofort wieder zurück. Lediglich neben meinem Bett liegt noch eine Packung, denn wer will schon nachts aufstehen und in der Kälte zu irgendeiner Schublade laufen?

4. Das Aufräumen sollte praktisch sein, nicht das An die Sache Gelangen.

Das muss ich vielleicht näher erklären. Die meisten meiner Sachen hatten ja auch bisher einen Platz (nur eben nicht alle und nicht so konsequent wie jetzt). Wenn ich diesen Platz für eine Sache ausgesucht habe, habe ich mich meistens gefragt, wo ich das Teil hauptsächlich benutze und es versucht, es dort in der Nähe unterzubringen. Zum Beispiel lag der Laptop immer auf meinem Tisch, weil ich ihn da meistens benutzte. Und das Buch, das ich gerade lese, lag meistens auf meinem Bettkästchen, weil ich meistens im Bett lese. Und der Korb mit der Bettwäsche war neben dem Bett.

Viel besser ist es aber, sich zu fragen, wo die Dinge ihren Platz haben sollten, damit man sich das AUFRÄUMEN einfach macht. Man sollte den Fokus nicht auf das Sache-Holen legen, sondern auf das Sache-Wieder-Zurücklegen. Denn im Vergleich fällt uns das Zurücklegen normalerweise schwerer als das Holen. Je einfacher wir das Aufräumen für uns gestalten, desto eher räumen wir auch alles sofort wieder auf.

Das Buch, das ich gerade lese (immer noch meistens im Bett), hat jetzt seinen Platz in meinem Bücherregal, bei allen anderen Büchern. Wenn ich darin lesen möchte, hole ich es aus dem Regal, und am nächsten Morgen lege ich zurück dort hin. Der tolle Nebeneffekt: Mein Nachttisch ist nicht mehr voller Sachen.

5. Bloß nicht herumerzählen, was man alles entsorgt.

Das war wirklich schwer für mich. Wenn ich bisher ausgemistet habe, dann habe ich, wenn die Sachen noch gut waren, sofort herumgefragt, ob die jemand will. Diesen Satz „Ich schmeiß‘ das ansonsten weg“ habe ich dann beigefügt, als wäre es eine Drohung. Das ist ganz schrecklich! Damit implizieren wir nämlich, dass andere nun verantwortlich für den weiteren Weg des Gegenstands ist. Das ist weder fair noch hilfreich.

Denn es kann gut sein, dass der Andere den Gegenstand annimmt, obwohl er oder sie ihn nicht mal wirklich gebrauchen kann. Wir fühlen uns besser, weil wir etwas losgeworden sind. Aber eigentlich sind wir das nicht. Wir haben einfach nur den Kram, den keiner braucht, von unserer Wohnung in eine andere Wohnung übertragen und belasten stattdessen jetzt einen Freund damit. Na super!

Besser ist folgendes: Sich vor dem Ausmisten ein Bild davon machen, wer im Bekanntenkreis nach einer Sache sucht. In den meisten Fällen sucht eh niemand nach irgendwas, weil wir alle schon alles besitzen. Dann Ausmisten und nur die Dinge weitergeben, von denen man sicher weiß, dass sie wirklich gebraucht werden. Alles andere kommt in Tüten und Säcke und SOFORT in den Müll oder wird gespendet.

Warum das Sofort großgeschrieben ist? Weil es total wichtig ist, dass das Entsorgen schnell von statten geht. Wenn dem nicht so ist, können nämlich zwei Dinge passieren: Entweder wir schauen selbst doch nochmal nach, ob wir nicht doch irgendwas behalten wollen, oder jemand anderes sieht die Säcke und kramt selbst darin rum.

Nochmal: Wir haben alle alles. Wenn wir beim Ausmisten entscheiden, dass wir etwas nicht mehr besitzen wollen, dann können wir es mit gutem Gewissen entsorgen. Die Wahrscheinlichkeit, dass irgendjemand in unserem Umkreis genau nach dieser Sache gesucht hat und wir nicht davon wussten, ist unheimlich gering. Und falls wir doch mal jemanden kennen, der zum Beispiel einen Fahrradhelm sucht, und wir haben nicht mal mehr ein Fahrrad und können daher unseren Fahrradhelm abgeben, dann ist das super! Aber dann lass uns doch die Sache wertschätzen, den Helm am besten in Zeitungspapier verpacken oder in eine nette Tüte stecken und dem Freund SCHENKEN, anstatt den Helm nur abzugeben.

* * * * *

So, das war’s mal für’s Erste. Falls mir noch weitere Sachen einfallen, werde ich sie hier ergänzen.

Ich hoffe meine Erfahrungen können dir helfen! Falls ja, dann hinterlasse mir doch einen Kommentar oder schreib mir eine Nachricht. Falls nein, erzähl mir, was du anders machst! Vielleicht kann ich ja noch was von dir lernen.

Ganz liebe Grüße,

Sarina

2 Gedanken zu “Minimalismus (Teil 2) – Eigentlich bin ich gar nicht unordentlich

  1. Daa Buch fand ich auch sehr inspirierend. Und es hat mir auch in vielen Belangen die Augen geöffnet. Von daher kann ich das Buch auch jedem nur empfehlen :).
    Das Problem ist nicht zu wenig Platz, sondern zu viele Dinge. Wir haben heute so viele Sachen, wollen dann augh meist immer mehr und verlieren dabei dann doch schnell den Überblick.
    Ich finde jetzt nach gut einem Jahr KonMarie ist vieles einfach leichter und praktischer 🙂

    Lg

    Gefällt mir

    1. Hallo Cordula!
      Danke für deinen Kommentar. Toll fand ich auch an dem Buch, wie unterhaltsam es geschrieben war. Ich hatte wirklich Spaß am Lesen und habe mich ständig selbst ertappt gefühlt.
      Gruße zurück!

      Gefällt 1 Person

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