Womit wir in unserer Fernbeziehung zu kämpfen haben und wie wir damit umgehen

Anmerkung: Als ich den ersten Entwurf dieses Artikels schreib, hatte ich eine Liste mit sage und schreibe 10 Herausforderungen der Fernbeziehung vor mir. Je länger ich allerdings darüber nachdachte, desto klarer wurde mir, dass es sich bei all den Schwierigkeiten doch eigentlich nur um 2 große Themen handelt. Der Prozess, diesen Text zu schreiben, hat daher in mir so unheimlich viel Klarheit erzeugt, dass ich jetzt mit ganz arg viel Dankbarkeit auf diesen Text schaue. Dankbarkeit dafür, dass das Schreiben für mich die Möglichkeit darstellt, zu reflektieren, und Klarheit in meinen Gedankenstrudel zu bringen.

Mein Partner zog vor etwa einem halben Jahr aus beruflichen Gründen in die Schweiz zurück. Die größten Schwierigkeiten der neuen Situation zeichneten sich schon in den ersten Wochen ab. Diese möchte ich im folgenden aufzählen. Der Umgang mit der neuen Situation hat uns viel Zeit und Geduld miteinander gekostet. Außerdem viele Tränen am Telefon, viel Wut über Missverständnisse zwischen uns, viel Kraft und Energie.

Mein Partner und ich haben nie zusammengewohnt, d.h. sowohl vorher als auch jetzt mussten wir uns verabreden, um uns zu sehen. Der riesige Unterschied ist allerdings, dass wir vorher eine halbstünde Fahrt mit den Öffis voneinander entfernt gewohnt haben und nun eine viereinhalbstündige Zugfahrt.

Sich spontan am späten Nachmittag für den Abend desselben Tages zu verabreden ging früher ganz easy. Jetzt planen wir Wochen im Voraus, wann wir uns sehen. Wir blocken Wochenenden, um sicherzugehen, dass wir genügend Zeit miteinander verbringen können. Das funktioniert ganz hervorragend: Wahrscheinlich verbringen wir jetzt genauso viel Zeit miteinander wie vorher.

Doch dabei geht eine Sache dennoch verloren: Die Spontanität.

Herausforderung Nummer 1: Der Mangel an Spontanität

Das hat zur Folge, dass wir viele kleine Dinge, auf die wir im tagtäglichen Leben plötzlich Lust haben, nicht mehr miteinander teilen können. Lust, heute Abend spontan in unsere Lieblingskneipe zum Burgeressen zu gehen? Lust, später spontan an den See zu fahren und ein Picknick zu machen? Lust, sich in einer Stunde spontan zum Bouldern zu treffen? Lust, den Arthouse Film, der nur noch diese Woche im Kino läuft, heute Abend anschauen zu gehen?

Lust haben wir. Aber leider können wir das alles erst nächstes Wochenende machen, wenn wir uns wiedersehen.

Meiner Meinung nach ist die schlechteste Option, diese spontanen Wünsche gar nicht zu erfüllen. Denn ein glücklicherer Partner ist ein besserer Partner. Ich habe mir daher angewöhnt, meine spontanen Einfälle mit meinen Freunden auszuleben, oder auch einfach mal alleine. Somit fühle ich mich nicht, als würde mir irgendetwas fehlen. Außerdem tut es den Beziehungen zu meinen Freunden gut und ich lerne mich selbst besser kennen.

Mein Partner und ich führen gleichzeitig eine Art „To Do Liste“, auf welcher wir solche Wünsche und Einfälle notieren. So gehen diese Einfälle nicht verloren, sondern wir haben immer eine ganze Liste mit Ideen, was wir miteinander unternehmen könnten, an der Hand.

Zu Beginn unserer Fernbeziehung waren wir des öfteren neidisch auf die vielen Aktivitäten des anderen. Das einzige, was dagegen hilft, ist eine hervorragende und ehrliche Kommunikation. Diese trotz der Distanz aufzubauen, ist wirklich nicht einfach.

Herausforderung Nummer 2: Die gute Kommunikation aufrecht zu erhalten.

Communication is key. Meiner Meinung nach stehen und fallen Beziehungen (egal ob nah oder fern) damit, wie gut die Partner miteinander kommunizieren. „Gute Kommunikation“ ist für mich vor allem: Ehrlichkeit, Aufrichtigkeit und eine gute Streitkultur.

Die Schwierigkeit in der Fernbeziehung besteht darin, dass ein größerer Teil der Kommunikation nicht mehr unter vier Augen stattfinden kann. Man skypet, man chattet auf WhatsApp, man telefoniert. Es macht einen riesigen Unterschied, ob man nebeneinander sitzt, sich während des Gesprächs berühren, in den Arm nehmen und die Hand halten kann, oder ob man vor einem Bildschirm sitzt und keine Körpersprache, Gestik oder Mimik für die Kommunikation mit dem Partner nutzen kann. Wer schon einmal dabei zusehen musste, wie der Partner während des Skypegesprächs anfängt zu weinen, weiß, wie hilflos man sich in solchen Situation mitunter fühlt..

Also was tun?

Uns haben Regeln geholfen: Um sicherzugehen, dass wir wichtige Gespräche nicht zu weit in die Zukunft schieben, dass Zorn nicht vor sich hin brodelt, dass Wichtiges möglichst schnell zum Thema gemacht wird, skypen wir mindestens alle 3 Tage miteinander. Die regelmäßigen Gespräche machen wir zur Priorität, d.h. wir halten uns diese Abende frei und planen keine weiteren Freizeitaktivitäten. Es gilt, keine Lücken in der Kommunikation entstehen zu lassen, und ständig daran zu arbeiten. Allein unser beidseitiger Wille, die Beziehung auch aus der Ferne zur Priorität zu machen, gibt uns das Gefühl, hier gemeinsam an unserer Zukunft zu arbeiten, und daher das beste aus diesen Gesprächen zu machen.

Wir zwingen uns auch auf Skype zu gegenseitiger bitterer Ehrlichkeit. Manchmal sind wir gottfroh, dass wir uns in ein paar Tagen wiedersehen und uns dann nachträglich in den Arm nehmen können.

Warst du schon mal in einer Fernbeziehung? Haben euch ähnliche Herausforderungen auf Trab gehalten? Ich freue mich, wenn du die Kommentarfunktion unter dem Blogpost nutzt, um deine Geschichte zu teilen.

Ich hoffe, dass der Blogartikel dir und deiner Beziehung ein paar positive Impulse gibt.

Herzliche Grüße

Eure Sarina

 

4 Gedanken zu “Womit wir in unserer Fernbeziehung zu kämpfen haben und wie wir damit umgehen

  1. Hallo liebe Sarina,
    Ich hatte auch so eine Situation erlebt.
    Ich bin letztes Jahr nach Argentinien zurückgegangen.
    Davor war ich 8 Monaten zusammen mit einem Schweizer und haben zusammen auf einem Hof gewohnt.
    Ich hatte richtig Angst, dass er mich in kurzen Zeit vergisst. Das ist aber nicht passiert und zwar war er sehr offen und
    hatte total viel Geduld die erste drei Monaten .
    Mit der Zeit habe ich bemerkt,ich konnte nicht mehr diese Situation aushalten und langsam er auch nicht. Deswegen habe ich mich entschieden eine Arbeit in Deutschland zu suchen um neben ihm zu sein. Glücklicherweise hat geklappt.(8 Monate war wir getrennt)
    Seit einem Monat wohne ich bei ihm aber es hat so viele Tränen, Missverständnisse,Kraft und alles vor allem mir gekostet…ich verstehe dich voll.
    Bei mir war es aber anders,weil ich zu weitweg von ihm war und ich musste mich krass entscheiden was zu machen,also 5 Stunde mit dem Zug wäre eine Reise für mich gewesen .Alles wird guuuut!Aber am Ende jemand muss auf etwas verzichten wenn man in einer Fernbeziehung ist.Es gibt immer Kosten!
    Te quiero amiga

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Sarina,
    ich kenne deine Situation auch, mit dem Unterschied, dass wir uns noch nie in reality gesehen haben, weil wir zu einem der unzähligen Paare gehören, die sich übers Internet kennen gelernt haben (wir wollen uns dieses Jahr aber treffen). Zusätzlich zu einer Strecke von sage und schreibe 9500km trennen uns auch noch neun Sunden Zeitunterschied, was manchmal zu Kommunikationsproblemen führt, weil wir gerade unter der Woche kaum Zeiten habe, in denen wir beide frei sind.
    Trotzdem stimme ich dir zu, dass Kommunikation das A und O ist, besonders in einer Fernbeziehung, da dort, wie du bereits gesagt hast, Mimik und Gestik oftmals wegfallen. Genauso muss man lernen, wie man eine Umarmung auf virtuelle Weise ersetzt.
    Fernbeziehungen sind nicht immer einfach, aber sie sind es auf jeden Fall wert!
    Danke für deinen schönen Artikel und die Tipps, die du mir mit auf den Weg gegeben hast.

    Gefällt 1 Person

    1. Hallo, danke für deinen lieben Kommentar. 9500km sind ja heftig! Und dann auch noch Zeitverschiebung. Das ist ja nochmal eine ganz andere Leistung, als wir sie erbringen müssen. Und da kommen ja nochmal ganz andere Herausforderungen auf euch zu. Voll schön, dass ihr euch dieses Jahr dann auch mal persönlich trefft. Würde mich freuen, dann zu lesen, wie das so war. Auf jeden Fall wünsche ich euch viel Glück für eure Beziehung 🙂

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