Wie es war, eine Woche lang keine Pläne zu haben

Als ich am Montagmorgen in der Ubahn saß, checkte ich meinen Kalender. Es zeigte sich mir ein Wunder: Ich hatte diese Woche keine Pläne. Überhaupt keine! Keine Verabredung, keine Arzttermine, keine Verpflichtungen, keine Veranstaltungen. Mein Kalender war von Montag bis Sonntag leer.

Meine erste Reaktion war: Oh wie schön! Eine Woche ohne Freizeitstress. Einfach mal spontan schauen, was man gerne machen möchte, Zeit fürs Schreiben haben, für Hobbies, mal einen Kuchen backen.

Schon wenige Stunden später machte mich der leere Kalender nervös. Ich fühlte mich wie ein Mensch ohne Freunde, der eigentlich gar keinen leeren Kalender will. Also fing ich an rumzufragen, ob jemand Lust auf Kino, Lust auf Bouldern, Lust auf sonst was hätte. Tatsächlich blieb mein Kalender während der kompletten Woche leer, obwohl ich fast alle meine Freunde kontaktierte. Alle waren schon verplant.

Ich machte mir keinen Kopf darum. Am Dienstagabend ging ich alleine Bouldern. Ich schaffte mehrere neue Boulder, schwitzte, redete mit mehreren unbekannten Leuten in der Halle, und ging mit Glücksgefühlen und aufgeschrubbten Fingern nach Hause.

Am Mittwochabend blieb ich lange im Büro. Als ich daheim ankam, kochte ich mir etwas gutes zu Abend und geich die doppelte Portion, um den Rest am nächsten Tag mit ins Büro nehmen zu können.

Am Donnerstagabend schaute ich abends einen Film auf Netflix und trank eine Tasse dieses leckeren Schoko-Chais, den mir eine Freundin zu Weihnachten geschenkt hatte. Die Packung stand schon ewig in der Küche und ich hatte nie die Zeit und Gelegenheit, sie mal zu öffnen. Ich liebe diesen Tee, aber wenn ich nicht die Zeit für eine ganze Kanne haben, trinke ich kaum welchen.

Freitags habe ich normalerweise frei, doch an diesem Morgen musste ich nochmal für einige Stunden ins Büro. Gegen 13 Uhr mittags war ich wieder daheim und erst dann wurde mir so richtig bewusst, dass 2,5 Tage ohne Planung vor mir lagen. Ich würde mich doch zu Tode langweilen, oder?

Nachmittags ließ ich mich von Netflix voll vereinnahmen, schaute eine Serie, 1-2 Filme, öffnete eine Flasche Wein und trank zu viel davon. Eine Sache schaffte ich an diesem unproduktiven Freitagabend allerdings: ich schrieb eine To Do Liste mit allem, was ich gerne am Wochenende erledigen würde. Dort standen so Dinge wie „Kofferraum aufräumen“. Dinge, die ich seit Wochen – nagut, Monaten! – vor mir herschiebe.

Für Samstagmorgen stellte ich mir keinen Wecker. Ich wachte um 10.23 Uhr mit leichten Kopfschmerzen (danke an den Rotwein) auf und blieb mindestens eine halbe Stunde in meinem warmen Bett liegen und genoß die Planlosigkeit. Dann schrieb ich eine Einkaufsliste für den Unverpacktladen, packte die nötigen Behältnisse zusammen, steckte das gesammelte Leergut in eine Tasche und das Altglas in eine andere, zog mich warm und verließ das Haus, um Einkaufen zu gehen. Unterwegs brachte ich das Altglas weg. Ich fuhr zum Unverpacktladen, kaufte dort ein, was auf meiner Liste stand. Dann fuhr ich weiter zum Edeka, um den Bierkasten abzugeben, Tofu und Brotaufstrich und Bier zu kaufen. Dann fuhr ich zum Baumarkt, um eine Fußmatte für unsere Winterstiefel zu kaufen. Beim Bäcker im Baumarkt kaufte ich mir ein Croissant fürs Frühstück.

Gegen 14.30 Uhr war ich wieder daheim. Ich putzte meinen Vorratsschrank und stellte meine Vorräte ordentlich hinein. Dann kochte ich Kaffee und machte mich ein richtig gutes Frühstück mit Brotaufstrich, Räuchertofu, Croissant, Brot, veganem Nutella, Tomaten, Gurken und Apfelsaft. Ich frühstückte bis fast 16 Uhr und schaute nebenher eine Serie auf Netflix. That’s the life!

Am Samstagabend blieb ich daheim auf meinem Sofa. Ich schaute Filme, trank Tee, und ließ nebenher 3 Waschmaschinen laufen. Ich zündete lauter Kerzen im Wohnzimmer an und unterhielt mich nebenher mit meinem Partner auf WhatsApp.

Für Sonntag hatte ich mir vorgenommen, die Küche zu putzen, die Wohnung zu saugen, und dann erst Bouldern und dann in die Therme zu gehen.

Ich wachte morgens gegen 8.30 Uhr auf und machte mir einen Cappuccino. Ich setzte mich ein einen der Sessel am Fenster, nahm das Buch, das ich im Moment lese, zur Hand, und genoß den Geruch des Kaffees, das warme Sonnenlicht, und den Moment. Es gibt doch nichts schöneres, als morgens die Zeit zu haben, bei einer Tasse Kaffee ein paar Seiten in einem guten Buch lesen zu können.

Dann frühstückte ich in aller Ruhe und machte mich daran, die Küche zu putzen. Weil ich so viel Zeit hatte, fing ich jedoch auch an, alle Schubladen zu sortieren und auszumisten. Jetzt haben wir nur noch eine Packung Lohrbeerblätter und nicht drei. Die Küchenlöffel sind nach Größe sortiert. Die Tupperboxenschublade sieht zum ersten mal ordentlich aufgeräumt aus. Alle Gewürze sind sortiert und in Gläsern abgefüllt. Das Aufräumen, Putzen und Ausmisten erinnerte mich an die Zeit, als ich ganze Tage damit verbrachte, mein Zimmer auszumisten auf dem Weg zu einem minimalistischen Lebensstil. Das Ausmisten und Aufräumen hinterlässt ein Glücksgefühl, das viel Zufriedenheit und eine gewisse Erdung auslösen. Ich liebe das.

Nachmittags machte ich ein Nickerchen. Eigentlich wollte ich ja noch Bouldern gehen und in die Sauna. Aber irgendwie war mir nicht mehr danach. Ich kochte Bohnen für die Woche vor, machte mir Wraps zum Abendessen, schaute einen Film, recherchierte, wo ich alte Handys entsorgen kann.

Jetzt ist es Sonntagabend. Die Woche ohne Pläne ist vorbei – ich habe sie überlebt. Keine Pläne zu haben war ungewohnt und hat mich zu Beginn nervös gemacht, aber es hat sich als wunderschön und entspannend herausgestellt. Ich hatte Zeit für wichtiges, für das ich sonst keine Zeit in meinen Kalender freihalte: Durchatmen, sich treiben lassen, daheim sein, aufräumen, entspannen, spontan genau das machen, wozu man Lust hat.

Ich habe Dinge erledigt, für die ich sonst keine Motivation finde. Ich habe keinen Kuchen gebacken, aber dafür habe ich Schubladen sortiert und schon meinen Koffer für den Urlaub in 3 Tagen gepackt, was nicht minder beglückend ist. Ich habe keinen Sport gemacht, aber dafür einen Blogartikel geschrieben und etwas gesundes zu Abend gekocht. Ich habe sehr viel Zeit alleine daheim verbracht, auf meinem Sofa, in meinem Bett, in der Küche, im Sessel am Fenster.

Die Woche hat mir wieder gezeigt, dass ich ein introvertierter Mensch bin, den das Alleinsein erdet und dem dieses Kraft gibt. Ich habe mir vorgenommen, öfter keine Pläne zu haben – „Kalenderfasten“ sozusagen. Und ich will daran arbeiten, mich nicht schlecht zu fühlen, wenn mein Kalender tatsächlich leer ist.

Eure Sarina

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