Bücherschau: Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster von Susann Pásztor

Sterbehilfe. Ein Thema, mit dem ich bisher weder Berührungspunkte hatte, noch mich damit aktiv auseinandergesetzt hätte.

Doch dann mistete meine Mutter ihre Bücher aus und gab mir einen Stapel in die Hand. Ich sollte durchschauen, ob dabei noch was war, das ich gerne lesen möchte.

Der Klappentext von diesem bunten Buch mit dem süßen Namen „Und dann steht einer auf und öffnet das Fenster“ klang ansprechend:

Klappentext des Buches

Bücher über das Sterben sind nicht immer so leicht zu lesen. Sie bringen einen aus der Komfortzone und man möchte sich nicht unbedingt mit dem Thema auseinandersetzen. Doch der Klappentext vermittelte Leichtigkeit und deswegen gab ich dem Buch eine Chance.

Ich bin so froh, dass ich das getan habe. Denn das Zitat hinten drauf von Christine Westermann stimmt. „Dieser Roman ist keiner, der angst vorm Sterben macht. Im Gegenteil. Er macht Lust auf das Leben. Jetzt.“ Man hätte das Gefühl und die Stimmung des Buches nicht besser zusammenfassen können.

Im Buch geht es letztlich um Fred, der ehrenamtlicher Sterbebegleiter ist, und seine erste „Mission“. Er soll Karla begleiten, die Krebs im Endstadium hat und nicht mehr lange leben wird.

Da ist nun Fred, der sich wirklich alle Mühe gibt, um eine Verbindung zu Karla aufzubauen und Vertrauen zu schaffen, und dabei in Unmengen Fettnäpfen tritt, weil er ein bisschen socially akward ist und extrem unsicher und ehrlich mit seiner Aufgabe überfordert ist. Und dann muss er auch noch Karla betreuen, die eigentlich findet, dass sie keinen Sterbebegleiter braucht, und insgesamt eher abweisend ist und mit einer Rationalität auf den Tod blickt, die den Sterbebegleiter Fred immer wieder aus der Reserve lockt.

So trifft sich Fred ein paar mal mit Karla, aber weder Karla noch Fred profitieren von den Treffen, weil die zwei null Gemeinsamkeiten haben. Bis Fred die Idee hat, Karla zu einer Weihnachtsfeier bei sich einzuladen, zu der er heimlich Karlas Schwester eingeladen hat, mit der Karla seit 40 Jahren nicht mehr Kontakt hatte. Voll sweet denkt ihr? Neeee. Karla braust aus der Wohnung hinaus, weil Karla will auch immer noch keinen Kontakt zu ihrer Schwester.

Danach ist Karla auf Fred nicht mehr so gut zu sprechen.

Letztendlich ist es Freds Sohn Phil, der auf Poesie steht und für Karla, die mal Photographin war, deren alte Bilder digitalisiert (ein kleiner Nebenjob), der die beiden wieder zusammenbringt. Erst, indem er den Job weitermacht, obwohl Karla nichts mehr mit Fred zu tun haben will. Und dann, indem er Fred mitteilt, als es Karla immer schlechter geht. So bekommt Fred doch nochmal seine Chance, als Sterbebegleiter auch wirklich seinen Beitrag zu leisten.

Im Buch stirbt eine Frau. Und dennoch ist das Buch voller urkomischer Szenen, witzigen Charakterzügen, und genialer Psychologie. Die Autorin schafft es, jede Person im Buch so gut auszumalen, dass man die Figuren ständig vor dem inneren Auge hat.

Es ist ein Buch, das so gut geschrieben ist, dass es ohne Happy End auskommt. Und trotzdem auf den letzten Seiten nicht traurig wird.

Absolute Leseempfehlung!

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