Bücherschau: Americanah von Chimamanda Ngozi Adice

Mein Blog wird zu einem Bücherblog. Dies ist nun schon mein vierter Blogartikel in Folge, in dem ich eine Rezension zu einem Buch schreibe. Eine aktive Entscheidung war das nicht, denn ich schreibe immer einfach, worüber ich Lust habe. Aber alles in allem fällt es mir leichter, komplizierte Inhalte in einem Video zu teilen und viele Worte darüber zu verlieren, als diese in einem Artikel zusammenzufassen. Daher landen auf meinem YouTube-Kanal immer mehr Videos zu Themen wie Nachhaltigkeit, No Poo oder zuletzt das Video zum Thema Packen für eine Fernwanderung. Und heir auf dem Blog die Bücher-Reviews.

So richtig durchdacht ist das nicht, aber ich mache das Ganze ja nur zum Spaß. Das soll auch möglich so bleiben, denn ich sehe es als Hobby und neige dazu, schnell zu ehrgeizig zu werden. Sobald ich besser werden möchte, vermiest mir das den Spaß an der Freude und ich höre komplett auf.

Aber zurück zum Buch!

Erst vor wenigen Tagen habe ich das Buch „Americanah“ von der nigerianischen Autorin Chimamanda Ngozi Audiche zu Ende gelesen. Das Buch habe ich zufällig in der Buchhandlung um die Ecke gefunden, als ich ein vorbestelltes Buch abholen wollte. Neugierig gemacht hat es mich wegen des nigerianischen Namens der Autorin. Ich würde schätzen, dass mindestens 90% aller Bücher, die in einer ganz normalen Buchhandlung in Deutschland liegen, von weißen Autor:innen stammt. Das ist traurig, weil es massenhaft gute Bücher von BIPoC gibt.

Wenn ich spekulieren müsste, woran das liegt, fallen mir zwei Gründe ein:

Erstens, dass in den Buchläden diejenigen Bücher liegen, die am besten verkauft werden und sich hier die rassistische Seite des Kapitalismus zeigt, der man, wenn man die Augen etwas öffnet, ständig sieht. Die Kund:innen kaufen Bücher, mit denen sie sich identifizieren können, was in den meisten Fällen Bücher von Autor:innen sind, die aussehen wie die Kund:innen selbst. Also dasselbe Muster, weshalb weiße Kandidat:innen auch mehr Chancen auf einen Job haben als gleichqualifiziert BIPoC.

Zweitens, weil im System der Verläge und Buchverträge mit großer Wahrscheinlich BIPoC-Autor:innen benachteiligt werden.

Also war ich positiv überrascht, dass es mal ein Buch trotz all dieser Gründe in den kleinen Buchladen geschafft hat. Natürlich nahm ich es mit.

Adichie erzählt in ihrem Buch die Geschichte der Nigarianer Ifemelu und Obinze, die gemeinsam zur Schule und Universität gehen und ein Paar sind. Das Leben hält für die beiden aber unterschiedlich viel Glück bereit. Während Ifemelu ein Stipendium für Princeton ergattert, in USA studiert und einen renommierten Blog über Rasse schreibt, schafft es Obinze nie nach USA und landet stattdessen als illegaler Einwanderer in England.

Interessant fand ich vor allem Ifemelus Erlebnisse in USA. Sie erzählt im Buch, dass sie schwarz wurde, als sie nach Amerika kam. Erst dort hat sie sich erstmals mit dem Thema Rasse auseinandersetzen müssen. Ihre Beobachtungen und Erfahrungen hält sie in ihrem Blog fest. Sie schreibt darüber, dass die Sichtweise auf das Thema Rasse sich zum Beispiel zwischen Afroamerikaner und nichtamerikanischen Schwarzen stark unterscheidet.

Für mich war es vor allem während den andauernden Black Lives Matter Initiativen in USA und auch Deutschland ein Buch, dass mich viel gelehrt hat. Z.B. wie individuell das Thema Rasse ist, wie unterschiedlich der gängige Rassismus von verschiedenen Leuten aufgenommen wird. Und wie fatal es ist, alle BIPoC in einen Topf zu werfen. Das Buch gibt einen Einblick in die vielen Nuancen des Themas.

Zudem habe ich viel über Nigeria und die Kultur dort gelernt. Nigeria ist ein Land, mit dem ich bisher kaum Berührungspunkte hatte. Es war spannend, die Sicht der Charaktere auf das politische System, die Beziehungen, die Korruption zu lesen. Darüber zu lesen, wie unterschiedlich die Familien von Obinze und Ifemelu sind.

Und ich habe viele Dinge über BIPoC gelernt. Z.B. zum Thema Haare. Zum Flechten, zu Chemikalien, die man sich ins Haar macht, um es zu Glätten. Was für ein Spannungsthema das Glätten ist. Die einen finden, man muss es unbedingt tun. Die anderen finden es ganz schlimm, dass das natürlich Haar nicht in Ordnung genug für die Gesellschaft ist. Oder auch zur Haarpflege von krausem Haar.

Diese Insights bekommt man sonst nur, wenn man BIPoC fragt. Und das möchte ich nicht. Denn das Fragen an sich ist meiner Meinung nach schon rassistisch. Ich frage das ja nur, weil die Person eine dunklere Haut hat, anstatt über Themen zu reden, die nichts mit ihrer Herkunft oder Hautfarbe zu tun haben.

Abgesehen davon war das Buch leicht zu lesen und hat mir schlaflose Nächte gebracht. Ich konnte es einfach nicht weglegen und habe viele Male zu wenig geschlafen deswegen. Es war einfach zu schön.

Die ganze Geschichte war so wundervoll nachvollziehbar und dennoch hat man den Feminismus und den Antirassismus und die harsche Kritik am politischen System Nigerias aus jeder Zeile herausgehört. Das Buch handelt von einer Liebesgeschichte und ist gleichzeitig politisch. Eine schöne Kombination und das höchste Lesevergnügen.

Meine Bewertung daher: 5/5 Sterne

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