Warum ein banales Hobby dein Schlüssel zum Glück sein könnte

Als ich in der Grundschule war, waren Freundebücher der große Hit. Diese bunten Büchlein, die man an seine Freund*innen ausleiht, damit die kleine Gedichte und Steckbriefe über sich einfügen. Die typischen Steckbrieffragen waren: „Was möchtest du mal werden, wenn du groß bist?“ oder „Was ist dein Lieblingstier?“

Eine Zeile im Steckbrief war damals immer einem damals total wichtigen Bestandteil unseres Kinderlebens vorenthalten: Den Hobbies.

Mit unserer krakeligen Kinderschrift schrieben wir hier rein, was wir gerne machten, wenn die Schule vorbei und die Hausaufgaben erledigt waren: Lesen, Lego spielen, Sport, Reiten, und so weiter.

Die Frage nach den Hobbies war als Kind allgegenwärtig. Jedes Kennenlernen als Kinder begann mit ihr. Selbst im Fremdsprachenunterricht haben wir auf Englisch und Französisch beigebracht bekommen, wie man in den jeweiligen Sprachen nach den Hobbies fragt.

Photo by Helena Lopes on Pexels.com

Und dann wurden wir Erwachsen und diese Frage nach den Hobbies, diese klassische, kindliche Smalltalk-Frage, wurde von der Frage nach dem Job oder dem Studium abgelöst. Als Erwachsene fragt man sich beim Flüchtigen Kennenlernen nicht mehr „Welche Hobbies hast du?“, sondern stattdessen „Und was machst du so beruflich?“.

Das führt auch dazu, dass das Schubladen-Denken anders abläuft. Plötzlich ist man nicht mehr das Mädchen, das Leichtathletik macht oder ein Bücherwurm ist. Man ist die Frau, die erfolgreich studiert hat und jetzt diesen total krass klingenden Job macht. Dass die Frau immer noch in ihrer Freizeit joggt und immer noch ein Bücherwurm ist, erfährt keiner. Ist ja auch nicht so interessant wie die Unterhaltung darüber, was man als Head of Wasauchimmer den ganzen Tag lang so macht (oder eben auch nicht).

Plötzlich identifizierten wir uns mehr mit unserem Beruf als mit dem, was wir in unserer Freizeit machen.

Eine mögliche Erklärung ist der Kapitalismus und wie er unsere Kultur geprägt hat. Grundsätzlich werden in unserer Gesellschaft Dinge besonders dann als positiv und wertvoll angesehen, wenn sie produktiv sind oder uns im Leben weiterbringen. Dazu zählen unser Job, eine Fortbildung, ein Studium, Sport für die Gesundheit und für das Aussehen (aber nicht nur zum Spaß), das Lesen von Büchern (wenn sie Sachbücher sind oder man sie gelesen haben sollte), Heiraten, Kinder kriegen, und so weiter.

Was nicht dazuzählt: Bilder malen, die nicht aufgehängt werden, kitschige Romane lesen, ein Blog schreiben, den keiner liest, YouTube-Videos drehen, die keiner anschaut, Kritzeleien im Notizbuch, Spazierengehen, Kochexperimente machen, Gemüse fermentieren, Bier brauen, Gärtnern, Reiten und so weiter. Diese Hobbies bringen uns unseren „Zielen“ im Leben nicht weiter und bleiben daher in den oben genannten Small Talks unterwähnt.

Photo by Allan Mas on Pexels.com

Leider führt das bei ganz vielen erwachsenen Menschen dazu, dass sie ständig produktiv und konzentriert und gut geplant durch ihr Leben navigieren. Die Leichtigkeit, die Auszeiten, die Zeiten für unproduktive Hobbies fehlen.

Hobbies sind Aktivitäten und Beschäftigungen, die Spaß machen. Und zwar nur das. Bei einem Hobby muss man nicht besser werden, man muss nicht ehrgeizig sein, man muss nichts beweisen. Es muss lediglich Spaß machen. Hobbies bringen dich nicht im Leben weiter.

Denk mal darüber nach: Welche Tätigkeiten gibt es in deinem Leben, die du „Hobby“ nennen würdest? Notier sie dir irgendwo und stelle dir dann die folgenden Fragen.

  • Versuchst du, darin besser zu werden?
  • Musst du dich manchmal dazu motivieren, dem Hobby nachzugehen, oder dich überwinden?
  • Ist das Hobby schwierig und geht dir nicht immer leicht von der Hand?
  • Brauchst du das Hobby, um eines deiner Lebensziele zu erreichen?
  • Falls das Hobby projektartig ist: Hast du den Anspruch, das Projekt fertigzustellen?
  • bist du enttäuscht von dir selbst, wenn du das Hobby längere Zeit nicht gemacht hast?

Wenn du bei einer der Fragen mit „ja“ geantwortet hast, ist es kein Hobby! Möglicherweise verringert das die Liste der echten Hobbies auf deiner Liste merklich.

Die meisten von uns haben Freizeitbeschäftigungen. Kaum einer von uns langweilt sich in seiner Freizeit. Wir sind eigentlich immer mit irgendwas beschäftigt. Doch wie viele von diesen Beschäftigungen machen wir 100% nur, weil sie uns Spaß und Freude bringen?

Falls die Liste deiner echten Hobbies nicht sehr lang ist oder du sogar bemerkt hast, dass du überhaupt kein echtes Hobby hast, bist du glaube ich nicht alleine. Spaß wird in unserer Gesellschaft leider als nicht so wichtig angesehen.

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Ich möchte dich dazu motivieren, das zu ändern. Als Kinder haben jeden Tag mehrere Stunden damit verbracht, einfach zu machen, wozu wir Lust hatten. War das nicht schön? Wir haben uns gehen lassen, hatten Freude, waren dabei teilweise richtig kreativ! Und man hat uns geliebt, egal ob wir produktiv waren oder nicht.

Meiner Meinung nach können wir uns das als Vorbild nehmen, um wieder mehr Spaß und Leichtigkeit in unsere Leben zu integrieren. Nach Hobbies zu suchen, die einfach nur Spaß machen, ohne produktiv zu sein. Unsere Freizeit nicht nur „beschäftigt“ zu sein, sondern mit Dingen zu füllen, die uns Freude bereiten. Zu spielen, zu basteln, oder was auch immer du gerne machst.

Ganz nebenbei führt das nämlich dazu, dass wir den Spaß am Leben fördern.

Ein echtes Hobby erzeugt Leichtigkeit. Sobald die Leichtigkeit verloren geht, ist es kein Hobby mehr. Die folgenden Beispiele sollen dir zeigen, was ich damit meine.

Ich habe irgendwann begonnen, regelmäßig zu Bouldern. Das hat die ersten Male total Spaß gemacht. Doch dann gab es immer mehr Abende, an denen ich frustiert aus der Halle gegangen bin, weil ich kaum eine Route geschafft habe. Ich hatte Ehrgeiz entwickelt, wollte besser werden. Und damit habe ich die Leichtigkeit verloren. Was ursprünglich ein Hobby war, wurde zu einer Freizeitbeschäftigung, die ich mit Ehrgeiz und weniger Spaß verfolgt habe. Danach habe ich eine lange Pause gemacht. Jetzt gehe ich wieder regelmäßig Bouldern und klettere einfach drauf los, so wie es Spaß macht. Wenn das die einfachsten Routen sind, so what. Hauptsache, es macht Spaß und ich gehe mit einem guten Gefühl nach Hause.

Mein Blog, mein Instagram-Profil und mein YouTube-Kanal sind Hobbies. Ich habe weder den Anspruch, hier immer noch bessere und noch aufwändigere Artikel oder Videos zu erstellen, noch, in einer bestimmten Regelmäßigkeit etwas zu posten. Ich schreibe dann einen Artikel, wenn ich Lust dazu habe. Und wenn ich keine Lust habe, dann schreib ich auch nichts. Ich mache ein Video, wenn ich Bock darauf habe. Und ich poste dann Instagram Stories, wenn ich Lust habe. Auf keinem Kanal werden es dadurch mehr Follower, aber das ist mir egal, denn ich mache diese drei Sachen zu 100% nur, weil sie Spaß machen. Ob das letztendlich 3 Leute oder 3000 sehen, ist vollkommen irrelevant.

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Also: Lasst uns Kinder sein! Lasst uns wieder im Small Talk nach unseren Hobbies fragen. Und lasst uns glücklich und zufrieden ein unglaublich hässliches Bild malen, das niemals irgendwo hängen wird, aber uns in dem Moment echt viel Spaß gebracht hat, weil die rote Wassermalfarbe so schön rot war und der dicke Pinsel so schön über das Papier gestrichen ist. Seid im Moment und gestaltet eure freie Zeit so, dass ihr immer wieder einfach Kind sein dürft.

Viel Spaß!

P.S.: Falls du noch etwas Inspiration für deine Hobbies brauchts, schau mal hier:

  • Tanzen
  • Häkeln
  • Malen
  • Basteln
  • Sachen aus Holz bauen
  • Kochen
  • Backen
  • wandern
  • schreiben
  • fotografieren
  • Videos filmen
  • Tagebuch schreiben
  • und und und

Schreibt gerne in die Kommentare, welche Hobbies ihr habt!

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