Bücherschau: Writers & Lovers von Lily King

Irgendwann im Oktober ging ich mal wieder in meinen Buchladen. Ich war auf der Suche nach einem neuen Buch und hatte noch kein Bestimmtes im Kopf. Ich wollte einfach mal sehen, was im Buchladen so auslag und mich vielleicht beraten lassen. Immerhin hatte mir diese Vorgehensweise dieses Jahr schon mehrmals richtig tolle Bücher beschert, z.B. Bücherschau: Americanah von Chimamanda Ngozi Adice.

Ich lief zur Taschenbuchabteilung und betrachtete die Auslage, nahm das ein oder andere Buch in die Hand, las ein paar Klappentexte. Nichts interessierte mich so wirklich, es war kein Buch dabei, das ich gerne sofort loslesen wollen würde.

Eine Verkäuferin des Buchladens kam zu mir herüber und fragte freundlich, ob sie mir irgendwie helfen könnte oder ob ich mich einfach umschauen möchte. Ich bat sie um eine Empfehlung und zählte ihr die letzten Bücher auf, die ich gelesen hatte, damit sie eine Vorstellung davon hatte, was ich so las.

Sie lief mit mir hinüber zu den gebundenen Büchern und fragte mich, ob es unbedingt ein Taschenbuch sein müsste? Sie hätte einen Tipp für mich für ein Buch, dass es aber bisher noch nicht als Taschenbuch gäbe. Ich gab ihr zu verstehen, dass für mich auch gebundene Bücher infrage kämen.

Sie beugte sich hinab zu einem kleinen Regal und zog ein Buch mit einem bunten Cover heraus: „Writers & Lovers“ von Lily King.

Mein erster Gedanke war: „Oh Gott, was für ein dramatischer Buchtitel.“ Als hätte die Verkäuferin meine Gedanken gelesen, erzählte sie mir, dass der Buch einen etwas dramatischen Titel hätte, aber letztendlich ganz anders geschrieben war. Die Sprache im Buch sei total schön, die Geschichte mitreißend, und ein Happy End gäbe es auch. Ihr hätte das Buch total gut gefallen.

Ich denke bei solchen Situation nicht so viel nach. Ich kaufte das Buch, nahm es mit nach Hause, und fing sofort an zu lesen.

Lily King erzählt in Writers & Lovers die Geschichte der 31-jährigen Casey, die seit 6 Jahren versucht, einen Roman fertigzuschreiben. Nach dem Tod ihrer Mutter und einer unkonstanten Beziehung zu ihrem Vater schlägt sie sich mit einem Job als Kellnerin durch, versucht ihr Buch zu schreiben und ihre Studiengebühren abzubezahlen. Zudem leidet sie unter schlimmen Angstzuständen, die es ihr teils unmöglich machen, ihr Bett zu verlassen. Nach einer Schicht im Restaurant und ihrem Fahrradweg nachhause vibriert ihr ganzer Körper vor Stress.

Die Geschichte beginnt also ziemlich düster im emotionalen Loch dieser jungen, energischen Frau, die es nicht leicht hat, die aber noch Träume hat. Allen voran, ihr Buch zu beenden und einzusenden.

Lily King zeichnet die Geschichte einer Frau, die zerbrechlich und stark zugleich ist. Als Leser fiebert man richtig mit Casey mit. Hofft, dass ihre Pläne gelingen, dass alles gut geht. Dass sie ihre Wohnung nicht verliert. Dass das Date gut läuft. Dass sie ihren Job behalten kann. Dass ein Verlag ihr Buch drucken will.

Das Buch war ungemein kurzweilig und spannend ab der ersten Seite. Es fühlte sich an wie ein gutes Fußballspiel, bei dem die eigene Mannschaft gleich zu Beginn mehrere Eigentore spielt, aber den Kampf nicht aufgibt. Man fiebert mit, man fühlt mit, und man freut sich umso mehr über jedes Tor für die eigene Mannschaft.

Für mich persönlich hat sich die Geschichte zudem ganz nah am echten Leben angefühlt. Ich selbst hatte bisher nie mit psychischen Problemen zu schaffen. Dennoch weiß ich, dass ich damit eher in der Minderheit bin. Die Geschichte hat mir veranschaulicht, wie viel anstrengender das Leben wird, wenn man sich nicht nur mit den Schwierigkeiten des Lebens rumschlagen muss (ergo Erwachsensein), sondern zusätzlich auch noch unter Depressionen, Angstzuständen, Burnout oder anderen Krankheiten leidet. Es hat mir die Augen geöffnet.

Gleichzeitig sind die Angstzustände nicht der Mittelpunkt des Buches, nicht das zentrale Thema. Es geht viel mehr um den Weg von Casey und wie sie es schafft, aus ihrer zu Beginn recht düsteren Situation herauszufinden.

Im Laufe des Buches findet die Geschichte immer mehr Leichtigkeit. Und ein Happy End gibt es auch.

Insgesamt war das Buch ein Genuss. Eine wunderschöne Geschichte, die meinen November versüßt hat.

Meine Bewertung: 5 von 5 möglichen Sternen

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